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Du bist ein wertvolles, geliebtes, kompetentes KindOder: Dulden heißt beleidigen.

Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios Fthenakis

Für die Bildungsinitiative der Peter Maffay Stiftung ist die Anerkennung eine ganz besondere Produktivkraft. Welche Rolle spielen aus Ihrer Perspektive Anerkennungskulturen für die Gestaltung von Lernumgebungen und Schulen?

In den von mir vertretenen Bildungsplänen kommt einer „Anerkennungskultur“ eine zentrale Rolle zu: Sie ist Voraussetzung für die Entwicklung und Stärkung des kindlichen Selbstkonzepts und Selbstwertgefühls und sie bietet die Basis für die Entwicklung der Bildungsvision „wertorientiert handelnde Kinder“. In Bildungsinstitutionen gilt für die Beziehung zwischen Fachkraft und Kind, dass kein Kind beschämt wird. Kinder müssen bedingungslose Akzeptanz und Wertschätzung erfahren. Anerkennung darf nicht an Vorbedingungen gebunden sein, die Kinder zu erfüllen haben. Was uns Goethe vor etwa 200 Jahren ins Stammbuch geschrieben hat, ist heute noch von großer Bedeutung: „Toleranz sollte eigentlich eine vorübergehende Gesinnung sein, die zur Anerkennung führen muss. Dulden heißt Beleidigen.“

Achtung, Anerkennung, Wertschätzung haben auf die Entwicklung von Persönlichkeiten einen besonderen Einfluss. Was sagt ein international erfahrener und renommierter Bildungsforscher dazu?

Moderne Bildungspläne fokussieren auf den Lernprozess und weniger auf die Vermittlung von Wissen. Sie stärken kindliche Entwicklung und kindliche Kompetenzen von Anfang an. Voraussetzung für erfolgreiche Bildungsbiografien ist die kindliche Partizipation und Mitgestaltung des eigenen Bildungsprozesses. Dies kann nur erfolgreich sein und Sinn haben, wenn Kinder kompetente Mitgestalter ihrer eigenen Bildungsbiografie sind und ernst genommen, anerkannt und wertgeschätzt werden. Bei der Kokonstruktion von Bildungsprozessen ist die Qualität der Interaktion zwischen Fachkraft und Kind entscheidend. Ohne Achtung und Anerkennung kann dies nicht gelingen.
Erfolgreiche Biografien beruhen zu einem erheblichen Teil auf dem Vertrauen sowie der Zuschreibung von Kompetenz durch die Erwachsenen und ihrer Wertschätzung. Diese Erfahrungen spielen für eine gesunde psychosoziale Entwicklung des Kindes sowie für erfolgreiche Bildungs- und Berufskarrieren eine außerordentliche Rolle.

Spielt die Anerkennung in der Bildungsforschung überhaupt eine Rolle?

In der entwicklungspsychologischen Forschung findet man zahlreiche Ansätze, die sich mit Fragen der Anerkennung und Wertschätzung des Kindes befassen.
So hat beispielsweise der amerikanische Psychologe Alfred Bandura ein Modell vorgestellt, dem zufolge das kindliche Selbst sich aus zwei Komponenten zusammensetzt: aus der Selbsteinschätzung (die Einstellungen über sich selbst) und der Selbstwirksamkeit (die Erwartungen an die eigene Kompetenz). Für die Entwicklung beider Dimensionen ist das Kind auf Interaktionen mit Erwachsenen angewiesen, die bei ihm die Überzeugung stärken: „Du bist ein wertvolles, geliebtes, kompetentes und verantwortungsvoll handelndes Kind.“ Ohne eine wertschätzende Haltung der Eltern und anderer Erwachsener kann das Kind kein sicheres Selbstkonzept entwickeln. Die Leistungsmotivation hängt eng zusammen mit den Kompetenzen, die wir dem Kind zuschreiben, und der Wertschätzung, die wir ihm entgegenbringen. Die Stärkung von Widerstandsfähigkeit kann nur auf der Grundlage kindlicher Anerkennung erfolgen.

Für das deutsche Bildungskonzept fordern Sie ein kohärentes und an übergeordneten Konzepten, Idealen und Visionen orientiertes Bildungskonzept. Welche Rolle weisen Sie dabei der Anerkennung zu?

Ich möchte starke, kommunikations- und medienkompetente Kinder. Kinder sollen kreative Künstler sein dürfen und Forscher, Erfinder und Entdecker. Das sind zentrale Aspekte meiner Bildungsvision. Dazu zähle ich vor allem auch die Anerkennung, denn unsere Kinder sollen in der Lage sein, wertorientiert zu handeln. Die Anerkennung findet im Umgang und bei der Bewertung von Vielfalt eine entscheidende Berücksichtigung.

Das Bildungssystem hat bislang Diversität entweder ignoriert oder sogar eliminiert. In den von mir entwickelten Bildungsplänen findet man eine andere Philosophie: Diversität wird als Quelle der Bereicherung und der Erweiterung von Lernchancen gesehen. Sie wird als solche begrüßt und systematisch genutzt, um mehr individuelle Bildungsgerechtigkeit und mehr gemeinsamen Gewinn zu erzielen. Die Kinder sollen erkennen, dass sie eine Diversität in sich selbst tragen. Sie haben Stärken und manche Schwächen. Sie werden aber auch für die Wahrnehmung sensibilisiert, dass andere Kinder andere Stärken haben. Und wenn sie Anspruch auf Anerkennung erheben, müssen sie lernen, diese Anerkennung auch anderen Kindern mit anderen Stärken zu erweisen. Diversität wird demnach auf der Grundlage gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung
aufbauen.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten in Deutschland als Kultusminister die Aufgabe und die Möglichkeiten, Schulen und Kindereinrichtungen zu „Laboren der Anerkennung“ zu machen. Welche vier bis fünf Aufgaben würden Sie als Erstes und Wichtigstes erledigen?

Bildungsqualität ist nicht primär über Strukturen zu sichern. Vielmehr spielt die Gestaltung der Bildungsprozesse eine zentrale Rolle. Die Qualität der Interaktion zwischen Fachkraft und Kind ist dabei entscheidend. Diese auf elaborierten fachlichen Grundlagen zu gestalten und mit hohem Respekt und Anerkennung dem Kind als Kokonstrukteur seiner eigenen Bildung zu begegnen, stellt eine Herausforderung und Chance dar. Dafür sind eine Reform der Ausbildungsqualität und ein Qualifizierungskonzept der Fachkräfte dringend geboten. Die Familien in eine Philosophie der kindlichen Wertschätzung und der bedingungslosen Akzeptanz des Kindes einzubinden würde den Weg öffnen, die Kultur der Anerkennung in möglichst vielen Bildungsorten zu verankern und zu pflegen.

Ich würde diese Bildungsvisionen durch den gesamten Bildungsverlauf implementieren, die Fachkräfte einbinden und das Bildungssystem verpflichten, auf die kindlichen Kompetenzen zu fokussieren. Das LBS-Kinderbarometer im vergangenen Jahr hat dokumentiert: Jedes fünfte Kind beschwert sich darüber, dass die Fachkräfte sein Selbstwertgefühl beeinträchtigen, indem sie es bloßstellen oder seinen Wert angreifen. Diese Zustände müssen wir verändern.

Dürfen wir an dieser Stelle bitte wissen, was Sie dann tun oder lassen, wenn Sie in Ihrem persönlichen Umfeld Zeichen der Anerkennung geben?

Dies kann auf ganz verschiedener Weise erfolgen. Aktives aufmerksames Zuhören, respektvoller Umgang mit anders denkenden Menschen, eine Haltung einnehmen, die Interesse am anderen zum Ausdruck bringt, um ihn besser zu verstehen – diese Zeichen weisen in die richtige Richtung. In meinem beruflichen Wirkungsbereich möchte ich die Anerkennung als festen, integralen Bestandteil der Philosophie des Umgangs miteinander in Bildungskonzepten verankern und alles unternehmen, damit die Kinder diese Philosophie verinnerlichen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Tabaluga mit einem Mädchen

Liebe Lehrer- und ErzieherInnen,

Schulen und Kindertagesstätten sind ein Ort des Lebens und Lernens. Wir alle wollen uns dort wohlfühlen. Wir wissen, selbstbewusste und glückliche Kinder lernen besser:

• Ihr Kollegium und Ihre SchülerInnen kommen gerne in die Schule oder Kita: Was tun Sie dafür?
• Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikte: Wie gehen Sie damit um?
• Achtung und Anerkennung bestimmen Ihr Schul- und Klassenklima: Worauf kommt es an?

Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen in der Werteerziehung!
Markieren Sie Ihr Projekt auf der „Landkarte der Anerkennung“!
Tauschen Sie sich aus und holen Sie sich neue Impulse für Ihre Arbeit!

Machen Sie Respekt und Anerkennung sichtbar!

*Ihr Tabaluga und das Alle-Achtung-Team

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Peter Maffay_web

Peter Maffay, Rockmusiker und NGO-Aktivist

„Respekt und Anerkennung sind unverzichtbare Lebensmittel im sozialen Miteinander. Was für mich und meine musikalische Arbeit in der Band gilt, hat für geglückte Bildung und Erziehung keine geringere Bedeutung. Mit diesem Internetportal und seiner ‚Landkarte der Anerkennung’ schließen wir eine Lücke im Internetangebot für Erzieher- und LehrerInnen. Es gibt noch kein Portal, das anhand einer Landkarte die vielfältigen Werteerziehungsprojekte der Kindertageseinrichtungen und Schulen sichtbar und zugänglich macht.“

Werte sind die
Antworten auf
existenzielle Fragen
der Menschen.
Herbert F., Gymnasiallehrer, 45 Jahre