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Kinder sind Anerkennungsjunkies

Ingo Barlovic

Ingo Barlovic, Meinungsforscher, über den Zusammenhang von Selbstsicherheit, Anerkennung und Markenkonsum

Herr Barlovic, wenn Sie von Anerkennung sprechen, was verstehen Sie darunter?

Kinder und Jugendliche können ein Selbstwertgefühl aufbauen, wenn sie positiv in ihrer Umwelt wahrgenommen werden. Anerkennung erhalten sie über ein positives Feedback von Freunden oder Lehrern, wenn ihnen beispielsweise etwas gelingt. Sie sind von Haus aus Markt- und Meinungsforscher.

Welche Bedeutung hat Zugehörigkeit für Kinder und Jugendliche, wie bringen sie diese zum Ausdruck?

Kinder sind Anerkennungsjunkies. Anerkennung ist für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Sie sind soziale Wesen, die sich außerhalb des Elternhauses bewähren müssen. Ihre sozialen Bezugspunkte sind außerhalb der Familie ihre Freunde und die Clique. Es ist für sie von großer Bedeutung, dort integriert zu sein. Zum Ausdruck bringen sie diese Zugehörigkeit durch Symbole. Das können Marken und Kleidungsstücke sein. Am Beispiel von besten Freundinnen lässt sich das gut erklären. Wenn sich Freundinnen gut verstehen, haben sie fast die identische Kleidung an.

Findet Zugehörigkeit auch durch Ausgrenzung anderer statt?

Ja, dies zeigt sich am Austausch von Handy-Klingeltönen. Einer lädt sich einen Ton oder Musik herunter und gibt sie an seine Freunde weiter. Diejenigen, die nicht seine Freunde sind, die kriegen die Downloads nicht.

Haben Sie einen Eindruck davon, wann sich das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Ein- und Abgrenzung entwickelt?

Das ist schwer zu sagen. Der große Einschnitt beginnt bei Kindern mit dem Schuleintritt. Später, wenn Kinder mit elf bis 13 Jahren zu Jugendlichen heranwachsen, erhält die Cliquenbildung größere Bedeutung. Hier schaffen sie sich verstärkt eine neue soziale Welt außerhalb der eigenen Familie.

Gestaltet sich das bei Mädchen und Jungen unterschiedlich?

Zwischen Mädchen und Jungs gibt es natürlich Unterschiede, aber insgesamt liegen sie nicht so weit auseinander. Bei Mädchen spielt die „beste Freundin“ eine größere Rolle, während Jungs noch eher Herdentiere sind. Sie unterscheiden sich durch die Art und Weise, wie bei ihnen Integration stattfindet. Mädchen gehen typischerweise zusammen shoppen und reden über Jungs. Jungen erhalten ein Gefühl von Zugehörigkeit und Anerkennung eher über Fußball oder Computer-Spielen.

Wie würden Sie die beiden Anerkennungsdimensionen – Anerkennung durch Besitz und Anerkennung über persönliche Erfahrungen und Beziehungen – grundsätzlich beschreiben?

Anerkennung ist über verschiedene Wege erfahrbar. Man kann gut im Sport oder gut in
der Schule sein. Wichtig ist, dass man selbstsicher ist. Diese Selbstsicherheit bekommen Kinder in hohem Maß über ein starkes Elternhaus. Für einen jungen Menschen, der kein starkes Elternhaus hat und sich unsicher fühlt, spielen Marken, Konsum und Besitz eine große Rolle. Er versucht sich quasi die Integration und die Anerkennung zu „erkaufen“, durch Konsum, durch Marken. Diese Erkenntnis entnehmen wir unseren Erhebungen. Im Übrigen haben selbstsichere Jugendliche natürlich auch Markenprodukte, aber sie definieren sich nicht so stark darüber.

Was meinen Sie mit starkem Elternhaus? Sind damit die ökonomischen Möglichkeiten gemeint?

Nein, konsequente Erziehung ist entscheidend. Es ist weniger wichtig, ob die Erziehung autoritär oder liberal ist, sondern ob sie zu Hause konsequent war. Das führt zu mehr oder weniger starken Persönlichkeiten. Fehlende Konsequenz und Orientierung sind wichtige Gründe für ein mangelndes Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen.

Es geht also um Vorbilder und gelebte Werte und weniger um Besitz?

Genau. Auch Kinder aus ökonomisch schwachen Haushalten können zu starken Persönlichkeiten werden. Den Umgang mit Konsum können Eltern ihren Kindern vorleben und so Vorbilder sein. Es funktioniert dagegen nicht, wenn Eltern sagen, dass ihr Kind keine Markenklamotten haben darf, und sie selbst eine teure Chanel-Tasche haben. Sie müssen diese Konsequenz auch für sich zeigen. Darüber hinaus müssen Eltern Grenzen setzen, wenn es finanziell nicht geht.

Was heißt das bezogen auf die pädagogische Erwachsenen-Beziehung zu Kindern und Jugendlichen, wenn man Kinder im Umgang mit Taschengeld, mit Konsum und Markenartikeln berät?

Die Balance ist wichtig. Eltern müssen einerseits konsequent und ausdauernd sein und zeigen, dass das Wort „nein“ auch etwas bedeutet. Ein „Nein“ der Eltern ist am nächsten Tag schon wieder vergessen. Andererseits müssen Eltern ihren Kindern Selbstbestimmtheit geben, damit sie selbst entscheiden können. Hier wird es für Eltern oft schwierig, denn wenn sie dem Kind einen Rahmen geben und beispielsweise sagen: „Wir gehen jetzt einkaufen und du darfst dir drei Dinge selber aussuchen“, dann müssen sie ihre Kinder wirklich selbst entscheiden lassen, weil sie sonst diese Selbstbestimmung zunichte machen.

Könnte konsequente Erziehung und die Möglichkeit der Selbstbestimmung der Beginn einer Empfehlung sein, wie Eltern mit den Konsum- und Anerkennungswünschen ihrer Kinder umgehen könnten?

Meine Empfehlung ist hier neben einer konsequenten Erziehung und dem Recht auf Selbstbestimmung, das auch das Recht auf Fehler und Fehleinkäufe einschließt, große Aufgeregtheit und große Verbote zu vermeiden. Denn dann wird es für die Kinder noch spannender, noch interessanter.

Stellen Sie sich vor, ein Kind wird in der Schule wegen seiner Kleidung gehänselt und findet in der Klasse keine Anerkennung. Was würden Sie den Eltern des Kindes raten?

Da muss man sehr vorsichtig sein. Aus unseren Befragungen wissen wir, dass Kinder sich auch mal als Außenseiter darstellen und behaupten, dass sie gehänselt werden, wobei das in Wirklichkeit nicht der Fall ist. Sie nehmen es als Vorwand, um bei den Eltern Druck zu
machen. Das Interessante dabei ist, dass Eltern dieses Argument sofort akzeptieren
und es ihren Kindern glauben. Das heißt im Umkehrschluss, dass für diese Erwachsenen Prestige und Haben elementar wichtig sind, um dazuzugehören und anerkannt zu werden. Ich würde Eltern raten, genauer mit ihrem Kind hinzuschauen, wo das Problem wirklich liegt. Gelästert wird immer und es geht oftmals reihum. Wird aber ein Kind wirklich längere Zeit wegen seiner Kleidung „gemobbt“, dann ist dieses Lästern oft nur ein Symptom und in Wirklichkeit steckt etwas Tieferes dahinter.

Herr Barlovic, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Tabaluga mit einem Mädchen

Liebe Lehrer- und ErzieherInnen,

Schulen und Kindertagesstätten sind ein Ort des Lebens und Lernens. Wir alle wollen uns dort wohlfühlen. Wir wissen, selbstbewusste und glückliche Kinder lernen besser:

• Ihr Kollegium und Ihre SchülerInnen kommen gerne in die Schule oder Kita: Was tun Sie dafür?
• Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikte: Wie gehen Sie damit um?
• Achtung und Anerkennung bestimmen Ihr Schul- und Klassenklima: Worauf kommt es an?

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*Ihr Tabaluga und das Alle-Achtung-Team

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Peter Maffay, Rockmusiker und NGO-Aktivist

„Respekt und Anerkennung sind unverzichtbare Lebensmittel im sozialen Miteinander. Was für mich und meine musikalische Arbeit in der Band gilt, hat für geglückte Bildung und Erziehung keine geringere Bedeutung. Mit diesem Internetportal und seiner ‚Landkarte der Anerkennung’ schließen wir eine Lücke im Internetangebot für Erzieher- und LehrerInnen. Es gibt noch kein Portal, das anhand einer Landkarte die vielfältigen Werteerziehungsprojekte der Kindertageseinrichtungen und Schulen sichtbar und zugänglich macht.“

Werte sind die
Antworten auf
existenzielle Fragen
der Menschen.
Herbert F., Gymnasiallehrer, 45 Jahre