
Steffen Seibert, Moderator der „heute“ Nachrichten und des „heute-journals“ beim ZDF, über seine Werte in Beruf und Familie.
Diese Dinge waren mir früher wichtiger als heute. Das ist natürlich leicht gesagt, denn ein paar Medienpreise habe ich ja schon bekommen. Aber ich habe inzwischen ganz gut gelernt, selbst zu wissen, was guter Journalismus ist und was nicht, wann ich oder wann wir als Team etwas gut gemacht haben, und wann nicht.
Dass ich über so viele Missstände berichten muss, hat mein Bewusstsein für die Notwendigkeit von Achtung vielleicht eher geschärft. Ich bin durch meinen Beruf aufmerksamer geworden. Niemand, der schon Jahre in einer Nachrichtenredaktion arbeitet, wird noch in Tränen ausbrechen, wenn ihn neue Attentatsbilder aus Bagdad erreichen. Das hat aber mit Abstumpfung oder Zynismus nichts zu tun. Es bedeutet auch nicht, dass wir die Opfer nicht achten. Nur ohne einen gewissen Selbstschutz können Sie diesen Beruf nicht ausüben. Und außerdem ist niemandem damit gedient, wenn wir täglich als Nervenwracks aus dem Büro gehen. Daraus wird auch kein besserer Journalismus!
Was mir gefallen hat ist, dass die Amerikaner nicht dazu neigen, ihr Gegenüber sofort in eine Schublade zu stecken. Sie bleiben jemandem, der von außen kommt, gegenüber erst einmal lange offen. In Deutschland sind wir dagegen doch alle sehr schnell mit einer Einordnung bei der Hand: Aussehen – Beruf – Kleidung: Alles klar, ich weiß, wer das ist! Damit missachten wir eigentlich die Individualität jedes einzelnen, und dem bin ich in Amerika selten begegnet.
Es klingt so banal: Ich halte Rücksichtnahme für sehr wichtig. Ich versuche, meinen Kindern klar zu machen: nicht gleich „losbollern“, wenn man etwas will. Rücksichtnahme bedeutet nicht, sich zurück zu stellen, sondern mit Respekt und Zurückhaltung dem anderen zu begegnen. Wir sind zu Hause zu fünft und ohne Rücksichtnahme wird es richtig anstrengend! Offenheit gegenüber dem Leben finde ich außerdem sehr wichtig. Meine Kinder versuche ich zu lehren, niemanden zu schnell zu beurteilen. Wer Situationen und Menschen erst einmal mit Neugier auf sich wirken lässt, kann darin auch erst die Chancen für sich wahrnehmen.
Es geht gar nicht so sehr um die katholische Kirche, sondern um die Grundwerte des Christentums. Nächstenliebe ist und bleibt eine Kernbotschaft. Das ist immer wieder eine wahnsinnig anspruchsvolle Aufgabe. Aus der Liebe zu Gott leitet sich natürlich die Liebe zu seinen anderen Geschöpfen ab. Und wer das ernst nimmt, kann doch nur auf Werte wie Achtung und Anerkennung, Toleranz, Rücksicht, aktive Hilfe und Solidarität kommen. Das ist für mich nicht katholisch, das ist christlich.
Mir gefällt es, dass in den letzten Jahren die Vaterrolle eine größere Aufmerksamkeit erfährt. Mir gefällt allerdings überhaupt nicht, dass die Vorstellungen von Elternschaft, speziell Mutterschaft, immer mehr mit „Organisationsfragen“ in Verbindung stehen. Die staatlich erwünschte Mutter ist diejenige, die erwerbstätig ist und Kinder hat. Schön, wenn das jemand anstrebt und auch so leben kann. Wer sich aber ganz seinen Kindern widmen will, sollte sich nicht irgendwie gestrig fühlen müssen. Ein bisschen habe ich aber das Gefühl, dass es mittlerweile so ist, dass die unterschiedlichen Lebens- und Rollenmodelle nicht mehr gleichberechtigt nebeneinander stehen.
Unabhängig von Glauben, Herkunft und kulturellem Hintergrund haben wir hier in Deutschland das Grundgesetz. Das mag jetzt sehr staatstragend klingen, aber die Achtung vor dem Einzelnen, Toleranz, Freiheit sind nicht verhandelbar. Überall dort, wo Leute versuchen, womöglich noch mit Gewalt, anderen ihre Lebensvorstellungen, ihren Glauben und ihr Wertesystem aufzudrücken, übertreten sie eine Grenze, die wir in diesem Land verabredet haben.
Das kulturelle Miteinander in Schulen hat eine integrierende Wirkung. Deswegen finde ich es auch sehr bedauerlich, dass das deutsche Bürgertum die Flucht in Privatschulen und Auslandsinternate antritt. Niemand würde es offen sagen, aber viele meinen es: Sie wollen ihre Kinder nicht mit zu vielen Einwandererkindern zusammensehen, sie fürchten um das Leistungsniveau, sie fürchten den ganz anderen sozialen Hintergrund. Ich glaube, dass wir diese Flucht nicht antreten sollten, das ist der falsche Weg. Kinder aus unterschiedlichen Milieus und Kulturen sollten früh- und rechtzeitig aufeinander treffen und Gemeinsamkeit lernen, damit gar nicht erst unsinnige Vorstellungen voneinander entstehen. Klingt ein bisschen naiv, aber diesem Ideal sollten wir nacheifern. Und wo ginge das besser als in den staatlichen Schulen.
Ich rege mich über das Kopftuch nicht so fürchterlich auf. Wir unterstellen dem Kopftuch ja, dass es Ausdruck für die Unterdrückung der Frau ist. Es dann unsererseits zum Anlass für Diskriminierung zu nehmen und etwa Lehrerinnen mit Kopftuch den Zugang zum Schulunterricht zu verweigern, halte ich für falsch. So ändern wir sicher nichts an der Benachteiligung muslimischer Frauen. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von westlichen Muslimas, die ein Kopftuch tragen und zugleich ein sehr emanzipiertes Leben führen. Ich bin kein Islamexperte, aber für mich ist das Kopftuch nicht das rote Tuch.
Ich würde zunächst mal alles tun, um das staatliche Schulsystem zu stärken. Das ist meiner Meinung nach der beste Weg, Menschen aus allen Schichten und allen kulturellen Herkünften zusammenzubringen. In Hinblick auf Toleranz und Integration ist die Schule die „Schule der Nation“.
Ich würde mich um die vielen hysterisierten Eltern bemühen, die sich schon bei ihren neunjährigen Kindern Sorgen machen, ob sie später glatt und erfolgreich den richtigen Berufsweg einschlagen. In meinem persönlichen Umfeld beobachte ich diese Entwicklung. Selbstverständlich sollten sich Eltern für die Entwicklung ihrer Kinder interessieren. Sie sollten jedoch nicht ein zweites Mal selbst zur Schule gehen. Ich kenne Eltern, die von der ersten Klasse an mit ihren Kindern Hausaufgaben machen. Schon in der Grundschule können ihnen gar nicht genügend Fremdsprachen angeboten werden und die Ferien stopfen sie mit zusätzlichen Leistungselementen voll. Statt den Kindern den Weg zu ebnen, sollten wir sie befähigen, dass sie ihn ohne die Ratschläge der Erwachsenen finden.
Liebe Lehrer- und ErzieherInnen,
Schulen und Kindertagesstätten sind ein Ort des Lebens und Lernens. Wir alle wollen uns dort wohlfühlen. Wir wissen, selbstbewusste und glückliche Kinder lernen besser:
• Ihr Kollegium und Ihre SchülerInnen kommen gerne in die Schule oder Kita: Was tun Sie dafür?
• Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikte: Wie gehen Sie damit um?
• Achtung und Anerkennung bestimmen Ihr Schul- und Klassenklima: Worauf kommt es an?
Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen in der Werteerziehung!
Markieren Sie Ihr Projekt auf der „Landkarte der Anerkennung“!
Tauschen Sie sich aus und holen Sie sich neue Impulse für Ihre Arbeit!
Machen Sie Respekt und Anerkennung sichtbar!
*Ihr Tabaluga und das Alle-Achtung-Team
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„Respekt und Anerkennung sind unverzichtbare Lebensmittel im sozialen Miteinander. Was für mich und meine musikalische Arbeit in der Band gilt, hat für geglückte Bildung und Erziehung keine geringere Bedeutung. Mit diesem Internetportal und seiner ‚Landkarte der Anerkennung’ schließen wir eine Lücke im Internetangebot für Erzieher- und LehrerInnen. Es gibt noch kein Portal, das anhand einer Landkarte die vielfältigen Werteerziehungsprojekte der Kindertageseinrichtungen und Schulen sichtbar und zugänglich macht.“
Werte sind die
Antworten auf
existenzielle Fragen
der Menschen.
Herbert F., Gymnasiallehrer, 45 Jahre