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Gerhard Ruß, Schulleiter an der Hauptschule in Wasserburg

Erläutern Sie bitte das Konzept „Sozialwirksame Schule“.

Das Konzept von Dr. Hopf, „Sozialwirksame Schule“ ist ein Konzept, das sich speziell auf die Schulebene bezieht. Man unterscheidet in der Schule die einzelnen Schüler (Individualebene), die Klasse oder Gruppe (Klassenebene) und die ganze Schule (Schulebene). Und dieses Konzept zielt auf eine Veränderung der Schulebene ab. Das beginnt dabei, dass man eine gemeinsame Vision von Erziehung auswählt. Autoritative Erziehung ist der Erziehungsstil, den Dr. Hopf uns beigebracht hat. Es ist ein Erziehungsstil, der von Diana Baumrind, einer amerikanischen Entwicklungspsychologin so formuliert und von Langzeitsuntersuchungen begleitet worden ist. Ein autoritativer Erziehungsstil betont auf der einen Seite die Dimension Warmherzigkeit gegenüber den Schülern und setzt auf der anderen Seite den Schülern klare Grenzen. Diese autoritative Erziehung (meint nicht autoritär!) ist nicht restriktiv, sondern die Warmherzigkeit steht wirklich im Vordergrund und die Lehrer müssen sich über den Erziehungsstil einig sein.

Das Zweite: An der Schule haben wir ein Wertegerüst, Schulregeln und einen Ordnungsrahmen aufgestellt, der festlegt, was passiert, wenn sich Schüler nicht an dieses Wertegerüst halten. Da haben wir ganz klare Konsequenzen aufgezeigt.

Beschreiben Sie die Entwicklung ihrer Schule anhand von zwei Beispielen.

Wir machen regelmäßig immer montags in der 1. Stunde mit allen Klassen „Soziales Lernen“. Da haben wir uns von Lions Quest den Ordner „Erwachsen werden“ angeschafft und haben auch Schulungen von Lions Quest bekommen. Nach diesem Lions-Quest-Angebot gehen wir inhaltlich vor. Wir haben für dieses „Soziale Lernen“ einen Lehrplan, ein Curriculum, entwickelt, nach dem die Klassen unterrichtet werden können. Zudem halten wir regelmäßig Schulvollversammlungen ab, das heißt: Alle Schüler der Schule treffen sich in der Aula und dann werden bestimmte Dinge, die wichtig sind den Schülern vorgestellt. Gestern ging es beispielweise in der Vollversammlung um Personalien. Der neue Schulleiter wurde vorgestellt, da ich in Ruhestand gehe. Dann haben wir eine neue Sekretärin, die wurde auch vorgestellt. Wir haben außerdem vor kurzem eine Umfrage bei Schülern zum Thema „Werteerziehung“ gemacht. Das Ergebnis hat ein Lehrer, der Leiter der Steuergruppe, den Schülern vorgestellt.

Zudem ging es in der Schulversammlung um einen Vorfall, den wir neulich bei uns in der Stadt hatten. Die Moschee in Wasserburg wurde verunstaltet und wir haben als Schule Stellung dazu bezogen. Es wurde deutlich gemacht, dass wir so etwas verurteilen und absolut nicht dulden wollen. Dann hatte ich Anlass, die Schüler wieder darauf hinzuweisen, dass der Respekt vor Menschen und Sachen in der Schule sehr wichtig ist und dass wir uns wieder daran erinnern müssen. Schlussendlich haben wir einen wunderschönen Vorfall thematisiert. Wir hatten ein Mädchen, das während der Zugfahrt ihren Teddybären verloren hat und ein älteres Ehepaar aus Berlin hat ihn dann an uns zurückgeschickt. Auch solche kleinen schönen Dinge aus dem Schulalltag werden besprochen.

Was passiert aktuell an ihrer Schule in Sachen Werteerziehung?

Wir haben unsere Grundwerte und Schulregeln, auf deren Einhaltung wir großen Wert legen. Grundregel Nummer eins lautet zum Beispiel: Übe keinerlei Form von Gewalt aus. Hieran müssen sich alle halten. Eine andere Grundregel besagt, dass jeder angemessene Kleidung trägt. Das meint nicht Schuluniform, aber angemessene Kleidung. Wir sind eine Schule und kein Disko- oder Sportbetrieb. Wir tragen Kleidung, die funktional angemessen ist.

Auf welche Schwierigkeiten stoßen Sie derzeit in ihrer praktischen Arbeit?

Die größte Schwierigkeit ist, dass wir Kinder und Jugendliche in der Pubertät haben, die am Anfang ihres Jugend- und Erwachsenenlebens stehen. Sie wollen natürlich die Grenzen nicht immer akzeptieren. Mancher versucht dann halt mal, kinder- und jugendtypische Dummheiten zu machen, und wir müssen dann darauf reagieren. Wir müssen diese pubertierenden Jugendlichen akzeptieren, sie annehmen und versuchen, sie über diese schwierige Zeit ihres Lebens zu begleiten. Das ist die Hauptschwierigkeit – diese altersbedingten Ausrutscher, die Kinder heute haben.

Die Schwierigkeit Nummer zwei ist, dass wir die Lehrkräfte alle von der Notwendigkeit dieses Systems, dieses Konzeptes „Sozialwirksame Schule“ überzeugen müssen. Wenn neue Lehrkräfte an die Schule kommen, dann sagen die: „Ja, es funktioniert alles bei euch so gut, da brauchen wir das ganze Konzept doch nicht. Man muss doch nicht so streng sein.“ Doch wenn man das Konzept wegnimmt, ist der ganze Erfolg, den wir haben, sofort weg. Es gilt, die Lehrkräfte zu überzeugen, dass wir ganz hart und klar tagtäglich daran arbeiten. Natürlich müssen wir auch die Eltern überzeugen und die Öffentlichkeit, dass dieses Konzept einfach die Grundlage für effektive und erfolgreiche Schularbeit ist.

Sie haben einmal in einem Artikel geschrieben, Lehrer neigen zum Einzelkämpfertum. Was haben Sie an Ihrer Schule getan, damit Lehrer keine Einzelkämpfer sind?

Wir haben sie überzeugt, dass wir Schule nur gestalten können, wenn wir am gleichen Strang ziehen. Schüler müssen sehen, die Lehrer sind sich einig. Es darf nicht sein, dass der eine Lehrer, wenn er einen Schüler sieht, der raucht wegschaut, und der andere Lehrer dem Schüler gleich einen verschärften Verweis erteilt. Wir müssen also gemeinsame Überzeugungen haben und einen gemeinsamen Rahmen und Fehlverhalten auch gleichwertig sanktionieren. An einem Strang ziehen, das muss man den Lehrern sagen, ist die einzige Chance, wenn man die Schule gestalten möchte.

Wenn Sie Kollegen an einer anderen Schule für Werteerziehung interessieren wollen, welche Argumente sind Ihnen dabei besonders wichtig?

Man kann den Lehrkräften sagen, dass die pädagogische Kompetenz und Professionalität deutlich zunimmt. Dass die Lehrkräfte mehr Mut zu kompetenter Erzieherhaltung bekommen. Dass das, was die Lehrkräfte immer so belastet, diese Kleinigkeiten im Alltag („der Hansi hat die Federmappe vergessen oder schwätzt dauernd“), die einen im Schulalltag so belasten und Lehrer so ärgern, abnehmen. Die Lehrkräfte sind in der Pause nicht mehr so verwirrt oder müde nach Schulschluss, wie das vorher war. Dadurch, dass man solche Alltags- und Erziehungsprobleme gelassener angeht, gewinnt man mehr Professionalität. Zur Veranschaulichung noch eine kleine Zahl. Die wirklich schwierigen Schüler liegen im Bereich von einem Prozent. Und wegen dieser fünf Schüler darf man doch nicht 90 Prozent seiner Kraft aufwenden. Mit so einfachen Beispielen kann man das schon belegen. Oder man kann sich als Schule ein Leitbild geben. Wem so etwas nicht gefällt, dem kann man sagen, dass in Schulen, die so etwas nicht machen, der Leidensdruck immer größer wird, und es irgendwann halt nicht mehr geht. Eine Schule, in der die Schüler die Vorgaben machen und nicht die Lehrkräfte, das kann es nicht sein. Und wenn ich sage Schulkonzept, dann meine ich immer auch die Werteerziehung, denn ohne Werteerziehung klappt unser Konzept nicht.

mehr über das Schulkonzept „Sozialwirksame Schule“

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Tabaluga mit einem Mädchen

Liebe Lehrer- und ErzieherInnen,

Schulen und Kindertagesstätten sind ein Ort des Lebens und Lernens. Wir alle wollen uns dort wohlfühlen. Wir wissen, selbstbewusste und glückliche Kinder lernen besser:

• Ihr Kollegium und Ihre SchülerInnen kommen gerne in die Schule oder Kita: Was tun Sie dafür?
• Spannungen, Auseinandersetzungen und Konflikte: Wie gehen Sie damit um?
• Achtung und Anerkennung bestimmen Ihr Schul- und Klassenklima: Worauf kommt es an?

Erzählen Sie uns von Ihren Erfahrungen in der Werteerziehung!
Markieren Sie Ihr Projekt auf der „Landkarte der Anerkennung“!
Tauschen Sie sich aus und holen Sie sich neue Impulse für Ihre Arbeit!

Machen Sie Respekt und Anerkennung sichtbar!

*Ihr Tabaluga und das Alle-Achtung-Team

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Peter Maffay_web

Peter Maffay, Rockmusiker und NGO-Aktivist

„Respekt und Anerkennung sind unverzichtbare Lebensmittel im sozialen Miteinander. Was für mich und meine musikalische Arbeit in der Band gilt, hat für geglückte Bildung und Erziehung keine geringere Bedeutung. Mit diesem Internetportal und seiner ‚Landkarte der Anerkennung’ schließen wir eine Lücke im Internetangebot für Erzieher- und LehrerInnen. Es gibt noch kein Portal, das anhand einer Landkarte die vielfältigen Werteerziehungsprojekte der Kindertageseinrichtungen und Schulen sichtbar und zugänglich macht.“

Werte sind die
Antworten auf
existenzielle Fragen
der Menschen.
Herbert F., Gymnasiallehrer, 45 Jahre